Die schwarzen Teufel von RFT

 DIE SCHWARZEN TEUFEL VON RFT UND IHRE HIMMLISCHEN BRÜDER

(Angaben ohne Gewähr, bin Laie. Toster mit Claude, ChatGPT und Grok)

Wenn du in der DDR Anfang der 80er in einer Band gespielt hast und kein Westgeld hattest, dann kanntest du es wahrscheinlich: das RFT DM 2413M, im Jargon oft „schwarzer Teufel“ genannt. Ein kleines dynamisches Tischmikrofon aus Plastik, mit festem Kabel und 3-poligem DIN-Stecker. Gebaut für Kassettenrecorder, Tonbandgeräte und andere einfache Audioanwendungen – nicht als professionelles Gesangsmikrofon für Bühne oder Proberaum.

🔸 Was das DM 2413M war – und was nicht

Technische Eckdaten:
• Typ: dynamisches Tauchspulenmikrofon
• Impedanz: mittelohmig („M“), ausgelegt für Eingänge um etwa 5 kΩ
• Frequenzbereich: ca. 50 Hz–15 kHz
• Anschluss: festes Kabel mit 3-poligem DIN-Stecker
• Bauform: Kunststoffgehäuse auf kleinem Tischstativ, neigbarer Mikrofonkopf
• Richtwirkung: gerichtet, annähernd nierenförmig

Das DM 2413M war also keineswegs technisch völlig unbrauchbar. Sein Frequenzgang war für ein preiswertes dynamisches Mikrofon dieser Zeit durchaus ordentlich, und sogar eine gerichtete Charakteristik war vorhanden.

Für professionelle Bühnenbeschallung war es trotzdem denkbar ungeeignet. Die mittelohmige Auslegung war auf Bandgeräte zugeschnitten, das Kabel fest montiert, der DIN-Stecker alles andere als bühnentauglich, und auch mechanisch war das kleine Kunststoffmikrofon eher fürs Wohnzimmer als für eine Rockband gemacht. Bei längeren Kabelwegen und lauter Beschallung stieß man schnell an praktische Grenzen.

An Toms, Gitarrenverstärkern oder anderen Instrumenten konnte so ein DM 2413M trotzdem überraschend brauchbar klingen. Und genau das war sein eigentliches Talent: Es funktionierte irgendwie.
Deshalb wurde es in zahllosen Proberäumen als Universal-Mikrofon missbraucht: Gesang, Gitarrenamp, Schlagzeug, Sprache – einfach, weil nichts anderes da war. Jedenfalls für uns arme Schlucker.

🔸 Es gab sehr wohl gute DDR-Mikrofone

Der verbreitete Eindruck, in der DDR habe es nur schlechte Mikrofone gegeben, ist technisch falsch. Es gab hochwertige und teilweise ausgezeichnete Konstruktionen. Nur lagen zwischen dieser professionellen Technik und dem, was eine gewöhnliche Amateurband im Laden kaufen oder sich leisten konnte, Welten.

🔸 VEB Mikrofontechnik Gefell – die Neumann-Tradition im Osten

Das bekannteste Beispiel ist der VEB Mikrofontechnik Gefell in Thüringen. Der Betrieb führte die Mikrofonproduktion fort, die Georg Neumann während des Zweiten Weltkriegs nach Gefell verlagert hatte.
1972 wurde die Kommanditgesellschaft Georg Neumann & Co. enteignet und in den VEB Mikrofontechnik Gefell überführt. Die dort produzierten Mikrofone trugen anschließend das RFT-Verbandswarenzeichen.

Gefell fertigte in der DDR unter anderem:

• Studiokondensatormikrofone wie das ME 830 mit austauschbaren Kapselmodulen, darunter M 70 sowie M 93 beziehungsweise M 58 – je nach verwendetem Bezeichnungssystem
• das PM 750, ein übersteuerungsfestes Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik und einem Frequenzbereich von etwa 40 Hz–16 kHz
• hochwertige Mikrofonkapseln wie die legendäre M 7, deren Konstruktion noch aus der Neumann-Tradition stammte

Das PM 750 besaß einen integrierten Impedanzwandler beziehungsweise Verstärker und konnte wahlweise phantom- oder direktgespeist werden. Seine Speisung entsprach allerdings nicht einfach der heute üblichen 48-Volt-Phantomspeisung.

Die berühmte M-7-Kapsel tauchte auch in Mikrofonen anderer DDR-Hersteller auf. Ein bekanntes Beispiel ist die sogenannte RFT-„Flasche“ CM 7151 des VEB Funkwerk Leipzig. Das komplette CM 7151 war also kein Gefell-Mikrofon, konnte aber mit einer Gefell-/Neumann-M-7-Kapsel bestückt sein.
Solche Mikrofone standen in Rundfunkstudios, beim Fernsehen, in größeren Veranstaltungshäusern und in professionellen Beschallungsanlagen. Für eine normale Amateurband waren sie jedoch erheblich schwerer zu bekommen als die einfachen RFT-Geräte aus dem Konsumbereich.

🔸 PGH Funkberater Berlin – professionelle Mikrofone aus Pankow

Ein zweites, heute oft übersehenes Kapitel sind die Mikrofone der PGH Funkberater in Berlin-Pankow. Aus einer kleinen Werkstatt von Max Herrmann entwickelte sich nach 1945 eine Mikrofonproduktion, die später genossenschaftlich organisiert wurde.

Beispiele:
• MD 30 / MD 30-2: dynamisches Kugelmikrofon im Metallgehäuse, Frequenzbereich etwa 40 Hz–12 kHz, 200 Ω, 3-poliger Großtuchel-Anschluss. Ein solides Universalmikrofon, das unter anderem auch mit Schwanenhals auf Tischfüßen eingesetzt wurde.
• SM 2030 L: dynamisches Nierenmikrofon im Metallgehäuse, etwa 40 Hz–18 kHz, 200 Ω, ebenfalls mit Großtuchel-Anschluss. Es war ausdrücklich für professionelle Anwendungen bis hin zu Sprache und Gesang gedacht.

Der Listenpreis des SM 2030 L lag in den 1980er Jahren bei rund 800 Mark. Zum Vergleich: Mein monatlicher Facharbeiterlohn war genauso hoch.
Schon der Preis zeigt, in welcher Liga dieses Mikrofon spielte.
Solche professionellen Modelle waren im normalen Einzelhandel deutlich seltener und für Amateurbands wegen Preis und Verfügbarkeit wesentlich schwerer zu beschaffen als einfache Heim- und Gebrauchsmikrofone.

🔸 RFT war kein einzelner Hersteller

RFT war nicht eine einzige Firma, sondern ein gemeinsames Waren- und Verbandszeichen zahlreicher Betriebe der DDR-Rundfunk-, Fernmelde- und Nachrichtentechnik.
Unter diesem Zeichen wurde entsprechend Unterschiedliches verkauft: von simplen Heimgeräten und preiswerten Kristallmikrofonen bis hin zu professioneller Rundfunk- und Studiotechnik.

Ein Beispiel aus dem unteren Preissegment war das Kristallmikrofon KM 7063 für 57,80 Mark. Daneben standen einfache dynamische Mikrofone wie das DM 2112 oder eben das DM 2413M. Auf der anderen Seite des Spektrums existierten hochklassige Kondensator- und Studiomikrofone aus Gefell sowie professionelle Konstruktionen anderer DDR-Hersteller.

Das eigentliche Problem war deshalb weniger, dass die DDR keine guten Mikrofone bauen konnte.
Das Problem war, welche Technik bei wem ankam.

🔸 Warum trotzdem überall der „schwarze Teufel“ stand

Für eine normale Amateurband sah die Realität ungefähr so aus:
• Im normalen Handel begegnete man vor allem den einfacheren RFT-Modellen.
• Hochwertige Studio- und professionelle Bühnenmikrofone standen eher bei Rundfunk, Fernsehen, großen Kulturhäusern, professionellen Ensembles oder gut ausgestatteten Veranstaltern.
• Wer weder Westgeld noch Beziehungen noch Zugang zu solchen Einrichtungen hatte, nahm eben das, was verfügbar war.

Und so wurde ausgerechnet ein kleines Plastikmikrofon, das ursprünglich gar nicht für Rockbands gedacht war, zu einem inoffiziellen Standard vieler Proberäume.
Technisch war das DM 2413M kein professionelles Gesangsmikrofon.
Aber es war das Mikrofon, mit dem viele Bands überhaupt erst anfangen konnten.

Und wahrscheinlich steckt genau deshalb auf unzähligen DDR-Demos, Proberaum-Mitschnitten und Schuldisko-Aufnahmen irgendwo ein Stück „schwarzer Teufel“.

(Foto: Marion Kaiser)



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