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Udo 80

Rockstar stimmt, Ikone auch. Rebell aber ist Udo Lindenberg schon lange nicht mehr.  Spätestens, als ich ihn bei der Weltausstellung expo 2000 in Hannover neben seinem Freund Sigmar Gabriel, damals MP von Niedersachsen, für die "Welle" interviewed hatte, war mir das klar. Lindenberg hat die Nähe der Macht gesucht, er hat die Bonzen angekumpelt und mit ihnen zusammen die Rebellion im Whiskey ersäuft -- sicher für die gute Sache. Aber Rebell war er hauptsächlich in Bezug auf das Schutzalter seiner Groupies, was in den 1970ern hingenommen wurde und heute verpönt ist. "Zu jung gibt's nicht und eng ist ein dehnbarer Begriff", ulkten damals die Musiker. Dafür werden ihnen die woken FLINTA* aufs Grab pissen. Was Udo Lindenberg für mich einzigartig macht: Er hat sich aufrichtig für die Deutschen hinter dem Eisernen Vorhang interessiert. Und er hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um hier aufzutreten. Erst haben die DDR-Bonzen seine Lieder ("Mädchen aus Ostberl...

Wie der Punk über mich kam

Es war spät, die Großeltern längst im Bett, und ich hatte das seltene Privileg, allein vor dem Fernseher zu sitzen. Fläming, Ende der siebziger Jahre, ich dreizehn oder vierzehn. Zu Hause wäre das so nicht gegangen. Westfernsehen gab es dort nur unter Aufsicht und mit ideologischer Begleitmusik. Wer die Tagesschau sehen wollte, musste sich vorher durch die Aktuelle Kamera quälen. Hier nicht. Hier stand dieses alte Schwarz-Weiß-Gerät, ein halbes Kraftwerk aus Röhre, UHF-Konverter und Spannungsstabilisator. Wenn man Glück hatte, bekam man fünf Programme rein. Und „umschalten“ hieß: aufstehen. Ich saß also da, knabberte irgendwas Salziges und drehte mich durch die Kanäle, bis ich auf N3 hängen blieb. Und dann passierte etwas, das sich nicht langsam ankündigte, sondern einfach da war. Auf der Bühne: Typen in zerrissenen Klamotten, Haare wie nach einem Stromschlag, Bewegungen irgendwo zwischen Tanz und Kontrollverlust. Die spielten ihre Lieder zu schnell, zu roh, zu egal. Sprangen rum, verz...

Ode an die Skeptiker zum 25. Geburtstag, 2026 werden sie 40.

Carusopunk mit Wortgewalt 25 Jahre Skeptiker Von Mark Modsen  Er hat den Straßenkampf besungen und die Liebe in den Zeiten des Krieges: Dieser Tage sieht Eugen Balanskat aus wie ein Mann, der seinen Frieden mit sich gemacht hat, aber die Wut auf eine ungerechte Welt gutgelaunt bewahrt. Der quirlige Grauschopf gilt als Dichterkönig des deutschen Punkrock, der schon immer besser mit dem Stift als mit Haarspray umgehen konnte. Auch bei der Bandgründung 1986 sah Balanskat nicht gerade aus wie ein gepiercter Irokese - eher wie ein wildgewordener Bibliothekar: “Ich hatte zehn Jahre lang nicht am Leben teilgenommen. Mit der Welt kam ich nicht klar, mit den Frauen auch nicht. Da habe ich mich in die Weltliteratur gestürzt. Die Expressionisten waren eine Offenbarung. Die Dadaisten lieferten Tipps für den Widerstand, die auch in der DDR nützlich waren.” Als die Skeptiker in Berlin zum Pogo trommeln, treten sie offene Türen ein. Illegale Punkbands aus den Kirchenkellern hatten ihnen den Weg b...

Der Preis der Preise

Zur Freiheit kommt man in Kummerland nicht mehr über die Hauptstraße. Sie ist nur noch auf verschlungenen Pfaden zu erreichen. Anders als die Radau-Tüte Inge Krawalltschik behauptet, haben wir standhaften Ostler keinen Freiheitsschock, sondern ein Déjà-vu: “Wir kennen die Weise, wir kennen den Text, wir verachten die Herren Verfasser; wir wissen, sie trinken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser” (Heinrich Heine, remixed). Wer aber heute in die Kerbe der herrschenden Klasse schlägt, könnte es dank Internet besser wissen als die Bewohner des Tals der Ahnungslosen. Literatur-, Film- und Journalistenpreise sind in der Bimbesrepublik Beuteschland seit mindestens 15 Jahren weitgehend Kontraindikatoren. Das Lametta markiert Kompatibilität zum Zeitgeist. Wer es erhält, ist allerdings oft auf das Preisgeld angewiesen; vielleicht kalkuliert er sogar damit. Aber es ist kein Zeichen unternehmerischer Begabung (und künstlerischer Wirksamkeit), im hohen Alter auf Stipendien angewiesen zu se...

Pressemitteilung die anderen – “The Lapu-Lapu Tapes”

  Pressemitteilung die anderen – “The Lapu-Lapu Tapes” VÖ 26.10.2025 Sie haben in der Gorbatschow-Ära der alternativem Musikszene ihren Stempel aufgedrückt: die anderen aus der Hauptstadt der DDR brachten die Verhältnisse zum Tanzen. Mit ihrer Mischung aus Ska, Punk, Jazz, Rock und Reggae heizten sie erst in kleinen Klubs und schließlich in großen Hallen die Stimmung bis zum Siedepunkt auf. Ihre selbst produzierten Kassetten zirkulierten im Land, kürzlich wurden sie auf Vinyl wiederveröffentlicht. Aber das Repertoire der Berliner war mindestens doppelt so umfangreich wie auf den Kassetten “Berlin Radio” und “Global Minded” veröffentlicht. Verschiedene Live-Mitschnitte und Demos landeten schließlich im philippinischen Lapu-Lapu, Heimat des fünften, ausgewanderten Trommlers (von insgesamt acht) der Band. Jaye Muller betreibt dort ein Studio, betätigte sich als Produzent und Veranstalter, Gastronom und Talentscout. Neun Tracks aus der Spätphase der 1980er Jahre hat der King of Knobs ...

Impressum/Imprint

Impressum für alle Online-Präsenzen der Band "die anderen" Jaye Muller Arterra Residences Cebu 6015 Punta Engaño, Lapu Lapu City Kontakt Telefon: +636096758192 E-Mail: band.die.anderen@gmail.com Redaktionell verantwortlich Jaye Muller Verbraucherstreitbeilegung/Universalschlichtungsstelle Wir sind nicht bereit oder verpflichtet, an Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen. Quelle: https://www.e-recht24.de/impressum-generator.html

From Assbook to Zyntoflak – The Future of the Pop Business

Modderpampe Sunday, March 25, 2012 From Assbook to Zyntoflak The Future of the Pop Business By Mark Modsen Gustav Schmittrich-Schlaffle—“Tavo” to his friends—fumbled for his phone and killed the smell alarm. His flatmates worked night shifts and couldn’t stand the way he used to wake himself with bone-rattling bass from the phone’s woofer. They had “upgraded” him with Smellfire Clocktastic from the Android Market. This morning the app released a pungent whiff of Oriental Pussy to match his morning wood. Half-asleep, Tavo reached down lazily. Even the dumbest goose knew musicians were losers these days. Groupies lived only in the zyntoflak-hazed stories of the old guard. Zyntoflak: cooked from toner and batteries, cheap as dirt, numbing as bread, heavy as lead. He rolled off his mattress and blinked on his implanted forehead cam. Stumbling into the corridor, he dropped himself onto the filthy communal toilet. His Assbook profile lit up—2,836 followers now had a direct stream of his bath...