Wie der Punk über mich kam
Es war spät, die Großeltern längst im Bett, und ich hatte das seltene Privileg, allein vor dem Fernseher zu sitzen. Fläming, Ende der siebziger Jahre, ich dreizehn oder vierzehn. Zu Hause wäre das so nicht gegangen. Westfernsehen gab es dort nur unter Aufsicht und mit ideologischer Begleitmusik. Wer die Tagesschau sehen wollte, musste sich vorher durch die Aktuelle Kamera quälen. Hier nicht. Hier stand dieses alte Schwarz-Weiß-Gerät, ein halbes Kraftwerk aus Röhre, UHF-Konverter und Spannungsstabilisator. Wenn man Glück hatte, bekam man fünf Programme rein. Und „umschalten“ hieß: aufstehen. Ich saß also da, knabberte irgendwas Salziges und drehte mich durch die Kanäle, bis ich auf N3 hängen blieb. Und dann passierte etwas, das sich nicht langsam ankündigte, sondern einfach da war. Auf der Bühne: Typen in zerrissenen Klamotten, Haare wie nach einem Stromschlag, Bewegungen irgendwo zwischen Tanz und Kontrollverlust. Die spielten ihre Lieder zu schnell, zu roh, zu egal. Sprangen rum, verz...