Antwort auf den Kommentar von C. Butters zu "andertalk" 25b

 


Hallo Herr Butters,

danke für Ihre ausführliche Rezension. Ich will hier abschnittsweise darauf eingehen, weil mir die Kommentarsektion auf Facebook zu fitzelig ist.

Danke für das Gespräch, auch wenn es aus meiner Sicht eine verschenkte Chance war, ein substanziell interessantes und tief gehendes Interview mit der spannenden Musikerin und ihrer Geschichte-auch und gerade als seltene Frau in dieser DDR-Welt, wie auch mehrfach von den Hosts erwähnt wird - zu führen.

Tut mir leid, dass Sie das Gespräch als verschenkte Chance sehen - vielleicht haben Sie den ersten Teil nicht gehört?

Stattdessen hat man den Eindruck, die Hosts reden mehr als der Gast und sie wissen sowieso schon alles. Warum nicht tiefer gehend befragen, wie sie Musikerin wurde, wie sie in die Szene kam, wie es zur Bandgründung kam, wieso sie als Frau in die Band rückte bzw wie die Bandgründung ablief, wie die Proberaum-Situation war, Produktion, Auftritte usw....und auch wie ihr Leben nach der Wende bis hin zur Professur gelaufen ist und wo es Schnittmengen und Berührungen mit den anderen Bands und Künstlern/innen aus ihrer Zeit gibt. 


Der Screenshot zeigt die Redezeitverteilung: Jaye ist schwarz, Susanne ist rot, ich bin blau. Obwohl ich zustimme, dass ich oft zu viel rede, hatte Susanne genügend Redezeit über den gesamten Verlauf der Aufnahme, aus der 2 Folgen geschnitten wurden. Dass sie von der Klassik kam, die Band aus einem gescheiterten Theaterprojekt entstand, wo sie vor der Einstufung spielten, wurde alles erzählt. Dass wir nicht über ihre Professur in Oldenburg reden, liegt daran, dass sie nicht in den 80er Jahren begann. Dafür reden wir über ihre Zeit an der Humboldt-Uni bei Peter Wicke. Tipp: Das ist kein Interview-Format, sondern ein Podcast, in dem es auch immer um uns geht. Deshalb heißt er ja "andertalk" und nicht "Das Sonntagsinterview".


Sie ist Professorin für Musik und Medien-dieser "Schatz" wurde nicht mal ansatzweise angekratzt. Das meiste wird nur kurz erwähnt und meistens zuende erzählt von den Hosts und ihren eigenen Geschichten. Überhaupt, auf das interessanteste-die Musik-wird fast gar nicht eingegangen. 

Wir haben in Teil 1 auch über verlorene Masterbänder geredet und einen Track gespielt. Es ist aber schwierig, weil Spotify und YouTube unterschiedliche rechtliche Rahmen für die Musikwiedergabe haben,

Wie hat sie sich entwickelt, woher kamen die Einflüsse und die Ideen und der Mut, warum hat man sich für diesen musikalischen Weg entschieden und warum ausgerechnet in der DDR usw. Ich hätte gern mehr von der Musikerin gehört und ihrer persönlichen Sicht, statt die wiederholten Erklärungsmuster wie bspw die wiederholte ewige Leier von der Beschwerde über die Bezeichnung "die anderen Bands" schwadroniert. Anstatt froh zu sein, durch dieses Label auch heute noch eine gewisse Aufmerksamkeit zu erzielen.

Susanne hat im 1. Teil erzählt, dass ein Konzert von Lars Rudolph im HdjT in Berlin sie stark beeindruckt habe und von der Klassik wegführte. Wir haben uns sicher seltener über die Bezeichnung "die anderen Bands" aufgeregt als sie gebraucht wird. Außerdem gilt für das gesprochene Wort: In der Wiederholung liegt die Kraft.

Der Podcast könnte sehr interessant sein. Die Hosts haben ein großes Fachwissen und sind gut vernetzt und haben natürlich durch ihre eigene Band-Geschichte die Authentizität, aber sie sind leider zu selbstreferentiell und redundant.

Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Hörer alle Podcasts hören, insofern ist ein bisschen Redundanz nicht verkehrt.

Trotzdem höre ich mir den Podcast weiterhin an und bin über jedes "Krümelchen" Neuerkenntnis dankbar.

Danke, das freut uns.  

PS. Eine Anmerkung noch zu der Analyse bzw dem Gegensatz der aufgemacht wird zwischen damals und heutiger Jugend bzw Bands. Es ist komplexer und muss differenzierter betrachtet werden. Man darf insgesamt dabei nicht die sozioökonomische und gesellschaftliche Situation vernachlässigen. Es gab aus unterschiedlichen Gründen einen Mangel an diversen Bands und Auftritten, deshalb ist das Spektrum relativ klein, kennen sich alle mehr oder weniger aus dem Milieu, waren größtenteils vernetzt und die Menschen hatten keine Chance-mangels Alternative bzw Konkurrenz-andere Bands wie bspw. aus dem westlichen Ausland zu sehen. 

Uns war zu jeder Zeit bewusst, dass wir als Ersatzunterhaltung für internationale Acts fungieren, die letztlich wegen der nicht konvertierbaren Währung die DDR ausklammerten. 
Die Gründe sind das eine, die Wirkung das andere. Entscheidend ist, dass heutige Bands dieses Glück nicht mehr haben,

Wenn Joy Division, The wire, Vibrators, The Cure, Stone Roses usw. in der DDR hätten auftreten können, hätten es die meisten Bands der DDR schwer gehabt.

1988 spielten Bruce Springsteen, Bryan Adams, James Brown, die Rainbirds, Joe Cocker, The Wailers, Big Country, Fischer-Z und andere in der DDR. In diesem Jahr hatten wir 50 Konzerte, Susannes Band ebenfalls.
 
Zum anderen wurde Kultur - und davon profitierten die Bands mit Spielgenehmigung - hochgradig staatlich gefördert. Deshalb konnten scheinbar mehr Bands/Musiker davon leben. Ausserdem was heißt davon leben? Das Leben war generell sehr günstig und in vielen Bereichen subventioniert wie Miete...

Ja, Kultur wurde subventioniert, aber das wird sie auch heute. Nur gibt es nicht mehr in jedem Kaff einen Jugendklub oder einen Dorfsaal, der auch Veranstaltungen macht. Und heute müssen sich die Kids nicht mehr auf Konzerten treffen, weil sie kein Telefon haben.

Der nächste Gast ist übrigens kein Musiker.

So long,

Toster

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